Magersucht-Info

Informationen über Magersucht und andere psychosomatische Erkrankungen

Pro Ana

Pro Ana bedeutet “pro Anorexia nervosa”. Pro Ana ist eine (Lebens-)Einstellung hauptsächlich von magersüchtigen Mädchen und jungen Frauen. Viele Magersüchtige wissen nicht, dass sie krank sind. Wenn sie sich im Spiegel sehen, fühlen sie sich zu dick, obwohl sie schon deutlich Untergewicht haben.

Mädchen und Frauen, die “pro Ana” sind, wissen ganz genau, dass sie krank sind. Aber sie kämpfen nicht (mehr) gegen ihre Krankheit an. Pro Ana ist für sie ihr Weg, mit der Krankheit klarzukommen. Sie sehen keinen anderen Weg mehr.

Thinspiration und das Pro Ana Glaubensbekenntnis

Möglichst dünn und ausgezehrt aussehen ist das Schönheitsideal von Pro Anas. Pro-Anas nehmen sich deswegen gerne dünne Stars zum Vorbild. Je dünner die Stars, Sternchen oder Models, desto besser. Beliebt sind und waren beispielsweise Paris Hilton, Nicole Ricchie, Amy Whinehouse oder Keira Knightley – besonders zu ihren magersüchtigen Zeiten. Pro Anas nutzen Fotos der Stars als “Thinspiration” – als Inspiration zum dünner werden: “Ich möchte so aussehen wie Amy Whinehouse” wird so zur Motivation für weiteres Abnehmen. Durch ein regelrechtes Pro-Ana-Glaubensbekenntnis versuchen die Mädchen, sich zusätzlich zu motivieren.

So heißt es dort zum Beispiel: “Dünn sein ist wichtiger als gesund sein.”

Um dies zu verstehen, ist es wichtig, sich in Magersüchtige hineinzuversetzen. Magersucht wird vom Kopf gesteuert. Diese Mädchen sehen nicht die Möglichkeit, wieder gesund bzw. glücklich zu werden. Sie haben diese Möglichkeit kategorisch ausgeschlossen und das Gefühl, nie wieder glücklich und gesund werden zu können. Deswegen suchen sie ihren eigenen Weg, um mit dem Leben als Magersüchtige klarzukommen.

Zu Pro Ana gehört der Austausch mit Gleichgesinnten

Pro-Anas schließen sich oft über das Internet in Foren zusammen. Sie motivieren sich gegenseitig zum Abnehmen und tauchen Kochrezepte und Diätpläne aus. Oft haben sie ein Wunschgewicht, dass sie mit allen Mitteln zu erreichen versuchen. Dieses liegt oft im Bereich eines deutlichen Untergewichts. Pro-Anas wissen ganz genau, dass Magersucht schädlich ist. Deswegen legen viele eine Grenze fest, die sie nicht unterschreiten wollen, um sich nicht in unmittelbare Lebensgefahr zu bringen. Allerdings liegt das angestrebte Idealgewicht bereits im lebensgefährlichen Bereich. Auch wenn die Mädchen nicht sterben wollen, macht der Körper das nicht immer mit.

Pro Ana und Pro Mia

Pro Ana gilt bei den Betroffenen als Ideal. Das bedeutet: die Mädchen versuchen, hauptsächlich zu hungern. Das Erbrechen ist zwar auch eine Methode der Gewichtsreduzierung, gilt aber als eher negativ. Kein Wunder – ist es doch in der Regel sehr schmerzhaft und unangenehm.  Deswegen ist die Pro-Mia – also Pro-Bulimie-Bewegung nicht so ausgeprägt. Viele Bulimiker sehnen sich danach, die Bulimie zu überwinden, um stattdessen das Gewicht hauptsächlich durch Fasten zu verringern – also Pro-Ana zu werden.

Wie gefährlich ist Pro Ana?

Manche Pro-Anas haben in ihrem Leben viele schlimme Dinge wie Missbrauch oder Gewalt erlebt und stehen an der Grenze zum Suizid. Diese Mädchen versuchen tatsächlich, mit der Magersucht ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Das trift aber nur auf einen Bruchteil der Betroffenen zu. Pro Ana sein bedeutet nicht automatisch selbstmordgefährdet zu sein. Viele Pro Anas gehen deswegen freiwillig in Therapie, um sich behandeln zu lassen. In den Foren und Gemeinschaften ist es auch oft so, dass sich die Mädchen nicht nur beim Abnehmen unterstützen. Wenn sie spüren, dass ein Mädchen Hilfe braucht, versuchen sie in der Regel, diese von einer Therapie zu überzeugen.

Grundsätzlich gilt: Pro Ana ist eine Überzeugung. Und es ist kein einfaches leben, ständig seinen Körper zu kontrollieren, gegen Hungergefühle und Fressanfälle anzukämpfen und sich schlecht zu fühlen wegen ein paar hundert Gramm mehr auf der Waage. Ein gesunder Mensch wird deswegen sicherlich nicht aus heiterem Himmel Pro Ana. Er wird vielleicht eine normale Diät machen. Pro Anas hingegen leiden – und können nicht anders. Sie haben kaum noch einen anderen Lebensinhalt als ihr Gewicht und ihr Körper. Wenn ein Mädchen Pro Ana ist, dann hat sie schwerwiegende psychische Probleme. Pro Ana ist nur ein Symptom.

Außerdem kennen die meisten Betroffenen ihr Krankheitsbild sehr genau. Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie. In einer Studie wurden 33 Betroffene befragt – nur 3 davon sahen Magersucht bzw. Pro Ana als Lifestyle. Alle anderen kannten das Risiko. (Quelle: http://www.suchtmittel.de/?object=3477)

Pro Ana – Tanz auf Messers Schneide

Gleichwohl bedeutet Pro Ana ein Tanz auf des Messers Schneide. Ein lebensgefährliches Untergerwicht ist oft leichter erreicht als gedacht und die Mädchen könnenden Kampf gegen ihren Körper, den sie mit ihrer Magersucht doch eigentlich kontrollieren wollten, auch verlieren.

Diesbezüglich ist Pro Ana eine sehr gefährliche Bewegung für junge Mädchen und Frauen. Die Lösung besteht aber sicherlich nicht darin, Pro Ana zu verfolgen und zu bekämpfen. Wie z.B. bei der Drogensucht stärkt der Reiz des Verbotenen solche Bewegungen nur.

Der wichtigste Schritt – bei  Pro Ana und bei Magersucht generell – besteht darin, die Betroffenen zu einer Therapie zu bewegen. Denn die Mädchen müssen lernen, mit ihrer Erkrankung zu leben. Die Krankheit endgültig zu überwinden steht allerdings wieder auf einem ganz anderen Blatt. Denn dazu ist der eigene Wille nötig, etwas am eigenen Leben zu verändern. Und das kann auch eine Therapie nicht immer leisten.

 

 

  • jettexxg sagt:

    Kann es bei der ana boot camp Diät zu herzstillständen kommen?

    • Magersucht-Info sagt:

      Das hängt vom gesundheitlichen Allgemeinzustand ab und damit, ob beispielsweise dabei auch Medikamentenmissbrauch stattfindet, wie stark der Diätmachende im Untergewicht ist etc. Grundsätzlich ist nur eine langfristige Ernährungsumstellung sinnvoll, die den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen, Mineralstoffen, Vitaminen etc. versorgt.

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